Giselle mit Sergei Polunin und Natalia Osipova

Wie versprochen erzähle ich euch heute vom gestrigen Ballettabend: Giselle

Die Vorstellung ist bis auf ein paar Stehplätze ausverkauft. Feine Menschen in den schönsten Abendroben wandeln die Gänge auf und ab und finden sich auf Ihren Plätzen ein. Der monströse Kronleuchter fährt wie ein Fahrstuhl nach oben, während das Licht matter wird und schließlich gänzlich erlischt. Mit der Dunkelheit verstummt das Publikum und im Orchestergraben tritt der Dirigent auf sein Podest. Applaus. Stille. Die Musiker greifen nach ihren Instrumenten, ein kurzes Rauschen und schon setzt die Musik ein. Nach einer Weile öffnet sich endlich der Vorhang.

Die ersten Tänzer treten auf die Bühne – Hochzeitsvorbereitungen.

Giselle ist ein Bauernmädchen. Hilarion, ein Förster, ist in sie verliebt. Doch auch der adelige bereits verlobte Prinz Albrecht wirbt um Giselle.

Noch bevor sich das Herz von Giselle für einen der beiden entscheidet, befürchtet ihre Mutter, dass sie noch vor der Hochzeit sterben und sich in eine Willis verwandeln würde, die zwischen Mitternacht und Sonnenaufgang junge Männer ins Verderben führt.

Und tatsächlich stirbt Giselle bald darauf an gebrochenem Herzen.

Um Mitternacht schließlich nehmen die Willis mit Königin Myrtha Giselle mit.

Albrecht trauert am Grab, geplagt von schlechtem Gewissen. Eine Vision von Giselle erscheint und Albrecht folgt ihr in den Wald.

Dort stirbt bereits zuvor Hilarion, der mit den Willis bis zu Erschöpfung getanzt hatte.

Die Liebe von Giselle aber bewahrt Albert vor seinem Tod.

Die Erwartungen vom Publikum an Osipova und Polunin sind hoch. Umso überschwänglicher ist der Applaus, als die Erwartungen mehr als erfüllt werden. Ich habe irgendwann die vielen Vorhänge nicht mehr mitgezählt. Verdient haben sie es!

Doch am besten gefiel mir gestern der Corps de ballett. Alle Tänzerinnen waren auf den Punkt synchron, anmutig und sicher nicht weit von den Fähigkeiten der Solisten entfernt.

Da ich mein Opernglas nicht gefunden hatte, war der Feldstecher mein Begleiter. Nie habe ich aus der Entfernung Gestik und Mimik besser verfolgen können. Ein wenig kam ich mir vor wie ein Voyeur. Aber es hat sich gelohnt. Niemals ist auch nur ein Akteur aus seiner Rolle gefallen. Es war fantastisch!

Nach einer schweren, gefühlt hundertfach battierten Changement-Sprungkombination von Polunin war sein Herzklopfen nicht zu übersehen. Jede Fußarbeit, Handbewegung und Kopfhaltung des Corps de ballet waren perfekt.

Fazit: Absolut sehenswert, ein wenig Klamottenkiste, etwas flache Handlung, für die Allgemeinbildung aber unabdingbar!

Nächsten Donnerstag werde ich La Bayadère anschauen. Jetzt darf ich mich eine Woche lang darauf freuen! Wie schön!

Sicher findet ihr auch etwas für euch, auf das ihr euch freuen könnt.

Bis dahin,

eure Isi

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1 Kommentar auf "Giselle mit Sergei Polunin und Natalia Osipova"

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Rüdiger
Gast

Da ich nicht so genau wusste, was eine „Willis“ ist, hab ichmal nachgeschaut: Neben dem berühmten Bruce fand ich etliche Ortschaften in Europa und in USA. Das hier aber ist wohl die richtige Interpretation:

„Die Wilis sind junge Frauen, die vor ihrer Hochzeit gestorben sind. Da jedoch die Tanzlust in ihren toten Herzen weiterschlägt, verlassen ihre Geister des Nachts ihre Gräber, um an Wegkreuzungen zu tanzen. Sollten sie dabei eines Lebenden habhaft werden, so tanzen sie so lange und wild mit ihm, bis dieser tot umfällt.“

Hast du wieder schön geschrieben! Freue mich auf mehr. Bis auf bald in M. LG